Der Sonntag
"Nicht diesen kleinen Kerl"
31.08.2003 - 12:00
Angefangen hat alles mit zwei kleinen, schwarzen
Knopfaugen. Damals, anno 1975, als der Familienvater
Erich Thomann mit seiner Planierraupe über die
Mülldeponie Lachengraben bei Wehr walzte - und alles
platt machte, was Müllfahrzeuge und Lastwagen ihm so
vor sein Gefährt warfen. Alles, bis auf einen kleinen
Teddybären, der recht zerfleddert vor ihm zwischen
Limodosen, Bananenschalen und Joghurtbechern im Dreck
lag. "Nicht diesen kleinen Kerl", dachte sich der
damals 45-Jährige, stieg ab und nahm das Plüschtier
mit nach Hause. Den Teddy hat Erich Thomann immer
noch. Heute steht er, liebevoll gereinigt und
repariert, in einer beleuchteten Vitrine - neben
ungefähr 15.000 weiteren Exponaten.
Damals hat Erich Thomann dann die Sammelleidenschaft gepackt. Fast jeden Tag brachte der heute 73-Jährige eine Holz-oder Pappkiste von der Deponie mit nach Hause. Darin: Jede Menge Schätze, die andere Leute einfach weggeworfen hatten. "In den 70er- und 80er-Jahren hat man alles weg getan. Da war 'neu' von sich aus ein Wert", denkt der Senior an die Anfänge der Konsumgesellschaft zurück: "Heute ärgern sich viele Menschen sicher darüber, was sie damals alles weggeworfen haben." Doch das nützt den einstigen Neu-Fans heute gar nichts mehr. Die originalen Plateauschuhe, Omas Grammophon oder auch das Blechspielzeugauto aus der eigenen Kindheit sind weg - und stehen inzwischen vielleicht sogar im Müllmuseum in Wallbach, dem ersten und einzigen seiner Art in ganz Deutschland.
Natürlich zeigen auch andere Museen Sachen aus Omas Zeit, aber eben nicht so. "99 Prozent dieser Exponate stammen nämlich direkt von der Deponie", erklärt Erich Thomann und blickt um sich. Auch nach seiner Pensionierung ging das Sammeln weiter. Denn Sohn Karl arbeitet ebenfalls auf der Deponie - und schaut ab und zu nach neuen Schätzen. So schön die Sachen auch waren, die Erich Thomann da jede Woche mit nach Hause brachte - irgendwann war das Wohnhaus der Familie einfach voll. Besser gesagt: Es platzte aus allen Nähten. "Es gibt so schöne Sachen, an denen auch andere eine Freude hätten", dachte sich Thomann, und schon war die Idee für das etwas andere Museum geboren. Jeden Abend werkelte die Familie im ehemaligen Viehstall und Heuschober neben dem Wohnhaus. 1991 war es dann so weit: Aus der privaten "Müll"-Sammlung wurde eine öffentliche.
Eine gewöhnliche Ausstellung darf man in Wallbach aber nicht erwarten. Mehr als zwei Dutzend alte Nähmaschinen stehen im Eingangsbereich dicht an dicht. An einigen Stellen blättert der schwarze Lack ein wenig ab. Dahinter hängen alte Orden und Ehrenmedaillen an der Wand, davor, auf einem kleinen Rundtisch, steht ein altes Sparschwein, groß wie ein Medizinball. Einmal um 180 Grad gedreht, fällt der Blick auf einen Getränkeautomaten mit gläsernen Fächern und der klaren Aufforderung "Bediene Dich selbst". Geht aber leider nicht. Denn statt kühler Limoflaschen beherbergt dieser Automat inzwischen einige von Erich Thomanns Kostbarkeiten - und die kann man nun mal nicht trinken, sondern "nur" bestaunen.
Eine Etage höher hängen unzählige alte Nachthemden, lange Unterhosen und Leintücher, darunter stehen Berge von alten Waschzubern, Waschbrettern und Mangeln. "Omas Waschtag" prangt auf einem Plakat. "Früher hat man am Sonntagabend die Wäsche eingeweicht, um sie am Montag auszukochen", erzählt Erich Thomann aus eigener Erfahrung. "Das ist unsere Sonderausstellung. Die wechselt jährlich", sagt der 73-Jährige. Vergangenes Jahr drehte sich hier alles noch um Kaffee. Die Exponate wurden natürlich nicht weggeworfen. "Irgendwo findet sich immer ein Plätzchen", lautet die Thomann'sche Devise.
Und genau so sieht das Museum auch aus - es ist voll. Beschreibungen zu den 15 000 Ausstellungsstücken, die man auf den 250 Quadratmetern betrachten kann, gibt es keine, zumindest keine schriftlichen. Die braucht man aber auch gar nicht. Denn Erich Thomann begleitet einen bei dem geschichtsträchtigen Spaziergang zwischen grausam anmutenden Friseurutensilien aus den 50er-Jahren, Kofferradios, grün leuchtenden Röhrenverstärkern und alten Kinderwagen hindurch.
Manches Stück habe schon ganz schön gestunken, als er es auf der Deponie entdeckte. "In der Küche hat meine Frau Agnes das manchmal stundenlang geschrubbt!" Unter dem Dach rappelt es plötzlich in einer Ecke: Ein kleiner Zug kommt aus dem Dunkel der Dachschräge gefahren und zieht auf ein paar Metern Gleisstrecke seine Runden. "Da erschrecken viele", erklärt Erich Thomann - und grinst: "Den haben wir an einen Bewegungsmelder angeschlossen."
Dann führt er seine Besucher ins "Allerheiligste", den letzten Ausstellungsraum, bevor es durch die hauseigene "Belzle-Beiz" wieder abwärts zum Eingang geht. Das Licht ist gedimmt, dennoch glänzt und blitzt es überall. Kein Wunder: Mehr als 1 200 Mal wurde hier bereits jedes Exponat abgestaubt. Alte Schlager tönen aus dem Off. Wie eine richtige Wand stehen hier einige Dutzend alte Röhren-Radios über- und nebeneinander.
"Das ist etwas ganz Besonderes", sagt Erich Thomann und zieht einen fast backsteingroßen Plastikquader aus einem der vielen Geräte: "Das ist eine t-e-f-i-Kassette. Die erste Kassette, die es gab. Das Band war recht dick, gerillt und wurde noch mit einer Nadel abgetastet." Geschichten zu den "Müll"-Exponaten gibt es viele. Etwa die, als Erich Thomann eine Schaffhauser Bibel aus dem Jahr 1743 fand; oder ganze Kisten mit Kernseifenstangen, als Ende der 70er die letzten Tante-Emma-Läden schlossen. Was für die einen Müll ist, ist für andere eben noch viel wert.
Damals hat Erich Thomann dann die Sammelleidenschaft gepackt. Fast jeden Tag brachte der heute 73-Jährige eine Holz-oder Pappkiste von der Deponie mit nach Hause. Darin: Jede Menge Schätze, die andere Leute einfach weggeworfen hatten. "In den 70er- und 80er-Jahren hat man alles weg getan. Da war 'neu' von sich aus ein Wert", denkt der Senior an die Anfänge der Konsumgesellschaft zurück: "Heute ärgern sich viele Menschen sicher darüber, was sie damals alles weggeworfen haben." Doch das nützt den einstigen Neu-Fans heute gar nichts mehr. Die originalen Plateauschuhe, Omas Grammophon oder auch das Blechspielzeugauto aus der eigenen Kindheit sind weg - und stehen inzwischen vielleicht sogar im Müllmuseum in Wallbach, dem ersten und einzigen seiner Art in ganz Deutschland.
Natürlich zeigen auch andere Museen Sachen aus Omas Zeit, aber eben nicht so. "99 Prozent dieser Exponate stammen nämlich direkt von der Deponie", erklärt Erich Thomann und blickt um sich. Auch nach seiner Pensionierung ging das Sammeln weiter. Denn Sohn Karl arbeitet ebenfalls auf der Deponie - und schaut ab und zu nach neuen Schätzen. So schön die Sachen auch waren, die Erich Thomann da jede Woche mit nach Hause brachte - irgendwann war das Wohnhaus der Familie einfach voll. Besser gesagt: Es platzte aus allen Nähten. "Es gibt so schöne Sachen, an denen auch andere eine Freude hätten", dachte sich Thomann, und schon war die Idee für das etwas andere Museum geboren. Jeden Abend werkelte die Familie im ehemaligen Viehstall und Heuschober neben dem Wohnhaus. 1991 war es dann so weit: Aus der privaten "Müll"-Sammlung wurde eine öffentliche.
Eine gewöhnliche Ausstellung darf man in Wallbach aber nicht erwarten. Mehr als zwei Dutzend alte Nähmaschinen stehen im Eingangsbereich dicht an dicht. An einigen Stellen blättert der schwarze Lack ein wenig ab. Dahinter hängen alte Orden und Ehrenmedaillen an der Wand, davor, auf einem kleinen Rundtisch, steht ein altes Sparschwein, groß wie ein Medizinball. Einmal um 180 Grad gedreht, fällt der Blick auf einen Getränkeautomaten mit gläsernen Fächern und der klaren Aufforderung "Bediene Dich selbst". Geht aber leider nicht. Denn statt kühler Limoflaschen beherbergt dieser Automat inzwischen einige von Erich Thomanns Kostbarkeiten - und die kann man nun mal nicht trinken, sondern "nur" bestaunen.
Eine Etage höher hängen unzählige alte Nachthemden, lange Unterhosen und Leintücher, darunter stehen Berge von alten Waschzubern, Waschbrettern und Mangeln. "Omas Waschtag" prangt auf einem Plakat. "Früher hat man am Sonntagabend die Wäsche eingeweicht, um sie am Montag auszukochen", erzählt Erich Thomann aus eigener Erfahrung. "Das ist unsere Sonderausstellung. Die wechselt jährlich", sagt der 73-Jährige. Vergangenes Jahr drehte sich hier alles noch um Kaffee. Die Exponate wurden natürlich nicht weggeworfen. "Irgendwo findet sich immer ein Plätzchen", lautet die Thomann'sche Devise.
Und genau so sieht das Museum auch aus - es ist voll. Beschreibungen zu den 15 000 Ausstellungsstücken, die man auf den 250 Quadratmetern betrachten kann, gibt es keine, zumindest keine schriftlichen. Die braucht man aber auch gar nicht. Denn Erich Thomann begleitet einen bei dem geschichtsträchtigen Spaziergang zwischen grausam anmutenden Friseurutensilien aus den 50er-Jahren, Kofferradios, grün leuchtenden Röhrenverstärkern und alten Kinderwagen hindurch.
Manches Stück habe schon ganz schön gestunken, als er es auf der Deponie entdeckte. "In der Küche hat meine Frau Agnes das manchmal stundenlang geschrubbt!" Unter dem Dach rappelt es plötzlich in einer Ecke: Ein kleiner Zug kommt aus dem Dunkel der Dachschräge gefahren und zieht auf ein paar Metern Gleisstrecke seine Runden. "Da erschrecken viele", erklärt Erich Thomann - und grinst: "Den haben wir an einen Bewegungsmelder angeschlossen."
Dann führt er seine Besucher ins "Allerheiligste", den letzten Ausstellungsraum, bevor es durch die hauseigene "Belzle-Beiz" wieder abwärts zum Eingang geht. Das Licht ist gedimmt, dennoch glänzt und blitzt es überall. Kein Wunder: Mehr als 1 200 Mal wurde hier bereits jedes Exponat abgestaubt. Alte Schlager tönen aus dem Off. Wie eine richtige Wand stehen hier einige Dutzend alte Röhren-Radios über- und nebeneinander.
"Das ist etwas ganz Besonderes", sagt Erich Thomann und zieht einen fast backsteingroßen Plastikquader aus einem der vielen Geräte: "Das ist eine t-e-f-i-Kassette. Die erste Kassette, die es gab. Das Band war recht dick, gerillt und wurde noch mit einer Nadel abgetastet." Geschichten zu den "Müll"-Exponaten gibt es viele. Etwa die, als Erich Thomann eine Schaffhauser Bibel aus dem Jahr 1743 fand; oder ganze Kisten mit Kernseifenstangen, als Ende der 70er die letzten Tante-Emma-Läden schlossen. Was für die einen Müll ist, ist für andere eben noch viel wert.
Die Matrix wird komplexer
18.05.2003 - 12:00
Die Menschheit zu retten ist ein Knochenjob - zumal,
wenn es sie gar nicht mehr gibt. Jedenfalls nicht so,
wie wir sie kennen. Die Welt ist ein riesiges
Computerspiel und die Menschen, die auf dieser Welt
leben, sind Teile jenes Programms. Das Makabre an
diesem Szenario: Die Menschen liefern einem Computer
durch ihre Körperwärme auch noch Energie. Unwissend
vegetieren sie in dicht neben- und übereinander
angeordneten, glibberig gefüllten Schoten vor sich
hin und werden Glauben gemacht, dass dieses
Computerspiel eine reale Welt sei.
Wenn dunkelgrüne Schriftzeichen wie ein Wasserfall über die tiefschwarze Leinwand rinnen, weiß jeder Cineast sofort, was los ist: Die "Matrix" ist wieder da, auf gut Neudeutsch also "reloaded". Als die Brüder Larry und Andy Wachowski 1998 Regie bei "The Matrix" führten, schufen sie eine neue Form der Science Fiction. Sie verbanden mythologisch-philosophische Elemente mit actionreichen Szenen, die aufgrund der Kung-Fu-Kämpfe an Eastern, durch die "Revolverduelle" aber auch an alte Western erinnern. In Lack-und Lederkostüme gehüllt, verliehen die Schauspieler dem Film zudem eine "brutale Eleganz".
Daran hat sich auch in der Fortsetzung, die am Donnerstag bei den Filmfestspielen in Cannes weltweit erstmals (außer Konkurrenz) lief und ab Donnerstag in den deutschen Kinos läuft, nichts geändert. Neo alias Keanu Reeves versucht tiefer in die Matrix einzudringen, ihren Grund aufzuspüren, um somit die von ihr geknechteten "Menschenbatterien" zu befreien, Trinity (Carrie-Anne Moss) lässt ihrer Liebe zu Weltenretter Neo freien Lauf und blickt gewohnt gequält vom Alltag in der realen Welt (außerhalb der Matrix) in die Kamera. Und ihr pathetische Reden schwingender Captain Morpheus (Laurence Fishburne) stachelt die Bewohner in Zion, der einzig übrig gebliebenen Bastion der Menschheit, in ihrem Kampf gegen die Maschinen zum letzten Gefecht gegen diese künstliche Intelligenz an.
Also alles beim Alten? Nein. Denn "Matrix Reloaded" entzieht sich schon in seinen ersten Minuten dem Klischee der typisch langweiligen Fortsetzung eines Kino-Kassenschlagers. Der Film wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Er dringt tiefer in die Materie ein, die im "Matrix-Debüt" nur oberflächlich angekratzt wurde. Die einfach strukturierte Handlung des Gut gegen Böse - also Menschen gegen Maschinen und Agenten - wird deutlich komplexer.
14-minütige Verfolgung
Neben den Beschützern der Matrix, den Agenten, tauchen neue Widersacher auf, die Neo & Co. das Leben (besser gesagt: das Leben retten) schwer machen wollen. Neben dem Agenten Smith, der aus nicht geklärten Gründen kein Teil des Matrix-Kollektivs mehr ist, sich neuerdings duplizieren kann und auf Rache sinnt, tauchen in der virtuellen Welt noch Figuren auf, die anscheinend nicht von der Matrix kontrolliert werden, nicht Teil des Systems sind. So entstehen akrobatisch sehr beeindruckende Kampfszenen, in denen es Keanu Reeves mit einer Hundertschaft von Smith-Klonen aufnimmt, eine waghalsige 14-minütige Verfolgungsjagd auf dem Highway und die altbewährten Schlachten mit den unsterblichen Agenten, die in jeden visuell projizierten Menschen schlüpfen können. Das sind Bilder, die optisch beeindrucken. Unterdessen graben sich die Maschinen in der realen Welt zu der dem Erdkern nahen Stadt Zion vor, um sie zu zerstören.
Der Film ist eine einzige Überraschung, es passiert alles - nur nicht das, womit man rechnet. Etwa, als sich Zions Bewohner im Tempel zu Trancebässen in leinenen Gewändern wie Woodstock-Jünger in Ekstase tanzen. Das ist dann aber die einzige Überraschung, auf die man dankend hätte verzichten können. Ansonsten fesselt "Matrix Reloaded" ungemein: durch fantastische Bilder, eine vielschichtige Handlung, nachdenklich stimmende offene Fragen und erstklassige Schauspieler.
>> "The Matrix - Reloaded", ab 21. Mai 2003 im Kino
Wenn dunkelgrüne Schriftzeichen wie ein Wasserfall über die tiefschwarze Leinwand rinnen, weiß jeder Cineast sofort, was los ist: Die "Matrix" ist wieder da, auf gut Neudeutsch also "reloaded". Als die Brüder Larry und Andy Wachowski 1998 Regie bei "The Matrix" führten, schufen sie eine neue Form der Science Fiction. Sie verbanden mythologisch-philosophische Elemente mit actionreichen Szenen, die aufgrund der Kung-Fu-Kämpfe an Eastern, durch die "Revolverduelle" aber auch an alte Western erinnern. In Lack-und Lederkostüme gehüllt, verliehen die Schauspieler dem Film zudem eine "brutale Eleganz".
Daran hat sich auch in der Fortsetzung, die am Donnerstag bei den Filmfestspielen in Cannes weltweit erstmals (außer Konkurrenz) lief und ab Donnerstag in den deutschen Kinos läuft, nichts geändert. Neo alias Keanu Reeves versucht tiefer in die Matrix einzudringen, ihren Grund aufzuspüren, um somit die von ihr geknechteten "Menschenbatterien" zu befreien, Trinity (Carrie-Anne Moss) lässt ihrer Liebe zu Weltenretter Neo freien Lauf und blickt gewohnt gequält vom Alltag in der realen Welt (außerhalb der Matrix) in die Kamera. Und ihr pathetische Reden schwingender Captain Morpheus (Laurence Fishburne) stachelt die Bewohner in Zion, der einzig übrig gebliebenen Bastion der Menschheit, in ihrem Kampf gegen die Maschinen zum letzten Gefecht gegen diese künstliche Intelligenz an.
Also alles beim Alten? Nein. Denn "Matrix Reloaded" entzieht sich schon in seinen ersten Minuten dem Klischee der typisch langweiligen Fortsetzung eines Kino-Kassenschlagers. Der Film wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Er dringt tiefer in die Materie ein, die im "Matrix-Debüt" nur oberflächlich angekratzt wurde. Die einfach strukturierte Handlung des Gut gegen Böse - also Menschen gegen Maschinen und Agenten - wird deutlich komplexer.
14-minütige Verfolgung
Neben den Beschützern der Matrix, den Agenten, tauchen neue Widersacher auf, die Neo & Co. das Leben (besser gesagt: das Leben retten) schwer machen wollen. Neben dem Agenten Smith, der aus nicht geklärten Gründen kein Teil des Matrix-Kollektivs mehr ist, sich neuerdings duplizieren kann und auf Rache sinnt, tauchen in der virtuellen Welt noch Figuren auf, die anscheinend nicht von der Matrix kontrolliert werden, nicht Teil des Systems sind. So entstehen akrobatisch sehr beeindruckende Kampfszenen, in denen es Keanu Reeves mit einer Hundertschaft von Smith-Klonen aufnimmt, eine waghalsige 14-minütige Verfolgungsjagd auf dem Highway und die altbewährten Schlachten mit den unsterblichen Agenten, die in jeden visuell projizierten Menschen schlüpfen können. Das sind Bilder, die optisch beeindrucken. Unterdessen graben sich die Maschinen in der realen Welt zu der dem Erdkern nahen Stadt Zion vor, um sie zu zerstören.
Der Film ist eine einzige Überraschung, es passiert alles - nur nicht das, womit man rechnet. Etwa, als sich Zions Bewohner im Tempel zu Trancebässen in leinenen Gewändern wie Woodstock-Jünger in Ekstase tanzen. Das ist dann aber die einzige Überraschung, auf die man dankend hätte verzichten können. Ansonsten fesselt "Matrix Reloaded" ungemein: durch fantastische Bilder, eine vielschichtige Handlung, nachdenklich stimmende offene Fragen und erstklassige Schauspieler.
>> "The Matrix - Reloaded", ab 21. Mai 2003 im Kino