Badische Zeitung
Die Kampfkunst der Kurdirektorin
06.08.2003 - 12:00
TODTMOOS. Das erste blaue Auge ihres Lebens hat sich
Birthe Schmidt vor drei Wochen geholt - an ihrer
Autotür. Wer mit der 23-jährigen Kurdirektorin über
ihr ziemlich ausgefallenes Hobby spricht, der mag das
zunächst nicht so recht glauben. Denn Birthe Schmidt
ist Vizeweltmeisterin im Kickboxen. Und in
zweieinhalb Wochen geht es bereits zur nächsten WM:
Diesmal nach Florida. "Wir prügeln uns nicht", stellt
Kurdirektorin Schmidt klar: Kickboxen sei mehr
Kampfkunst denn Kampfsport.
Mit 16 hat sich Birthe Schmidt zum ersten Mal Kickboxhandschuhe angezogen. Im niedersächsischen Celle, unweit von Hannover, gab es einen Sportverein, der auch Kickboxen im Angebot hatte: "Ich hab mir das mehrere Male angeschaut - und dann wollt' ich es selbst ausprobieren." Zum anfänglichen Leidwesen der Eltern, die der Sportart damals genauso kritisch gegenüber standen, wie es auch heute die meisten Menschen tun, wenn die 23-Jährige von ihrem Hobby spricht. "Meine Mutter war Sportlehrerin - und Kunstturnerin", erzählt Birthe Schmidt. "Das war für sie schon ein Schock". Mit ihren sportlichen Erfolgen stieg aber die elterliche Akzeptanz für den Sport.
"Ich hätte nicht mit Kickboxen angefangen, wenn es hier ums Prügeln gehen würde", stellt die 23-Jährige klar: "Wer sich einmal einen Kampf anschaut weiß, dass es ein fairer Sport ist, den man sehr konzentriert betreiben muss." Auch sei Kickboxen "alles andere als ungesund": Man mache viele Dehnübungen, verbessere seinen Gleichgewichtssinn und lerne, die eigenen Aggressionen besser zu beherrschen. "Wenn man mit einer gewissen Disziplin an die Sache rangeht und täglich trainiert, dann zeichnen sich auch bald die ersten Erfolge ab", berichtet Schmidt aus eigener Erfahrung.
Der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere als Amateur-Kickboxerin war die Weltmeisterschaft der "WUMA" (World Union of Martial Arts) - einem der drei größten Kickbox-Weltverbände -, als sie sich den Titel der Vizeweltmeisterin im "Point-Fighting" holte (und immer noch hält). Ende August tritt die 23-Jährige bei der Weltmeisterschaft der IAKSA (auch einer der drei größten Kickbox-Weltverbände) als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im "Point-Fighting" an. "Das bedeutet, dass man wie auch beim Karate oder Fechten, nach einem Treffer wieder in die Ausgangsposition zurück gehen, also vom Gegner ablassen muss", erklärt die studierte Betriebswirtin, die sich unter anderem mit Radfahren konditionell auf die WM vorbereitet. Trotz guter Kondition könnte die Teilnahme aber noch in Gefahr geraten - denn wer Kickboxen will, muss topfit sein. Also muss bis in zweieinhalb Wochen auch die Entzündung an Birthe Schmidts Fuß komplett abgeklungen sein.
Dass die Kurdirektorin auch Kickboxerin ist, scheint die Gemeindeverwaltung nicht sonderlich zu stören - denn in ihren Bewerbungsunterlagen hat die 23-Jährige keinen Hehl aus ihrem Hobby gemacht. Dass diese exotische Sportart im idyllischen Todtmoos trotzdem für Gerede gesorgt hat, stört die junge Frau ganz und gar nicht: "Sprüche wie 'Sie wissen ja, wie man sich durchboxt' sind derart abgedroschen, dass sie mich nicht mehr interessieren." Dass sich ihr Job und ihr Hobby gut miteinander vereinbaren lassen, daran lässt Birthe Schmidt keinen Zweifel aufkommen: "Klar: Der Sport muss hinter der Arbeit zurückstehen - deshalb trainiere ich jetzt statt fünfmal eben nur noch zweimal pro Woche." Aufgeben würde sie den Sport für den Job nicht: "Wer Sport treibt ist schließlich auch im Beruf leistungsfähiger."
INFO-BOX: Kickboxing-WM
Kickboxen ist eine Mischung aus mehreren fernöstlichen Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo und Kung-Fu. Als Wettkampfsportart gibt es Kickboxen seit Mitte der 70er Jahre, damals noch "Sportkarate" genannt. Mittlerweile gibt es im Kickboxen drei verschiedene Disziplinen: Vollkontakt, Leichtkontakt und Semikontakt (auch "Point-Fighting" genannt). Die drei Disziplinen unterscheiden sich dadurch, welche Schläge und Tritte erlaubt sind - und ob man seinen Gegner auch K.o. boxen darf. Kickboxen gehört zur Gruppe der Selbstverteidigungssportarten. Wie beim gewöhnlichen Boxen gibt es auch beim Kickboxen mehrere Weltverbände, die jeweils eigene Weltmeisterschaften durchführen. Birthe Schmidt tritt bei der Weltmeisterschaft der IAKSA (International Amateur Kickboxing Sport Association) vom 24. bis zum 30. August in Orlando (Florida) als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft an. ds
Mit 16 hat sich Birthe Schmidt zum ersten Mal Kickboxhandschuhe angezogen. Im niedersächsischen Celle, unweit von Hannover, gab es einen Sportverein, der auch Kickboxen im Angebot hatte: "Ich hab mir das mehrere Male angeschaut - und dann wollt' ich es selbst ausprobieren." Zum anfänglichen Leidwesen der Eltern, die der Sportart damals genauso kritisch gegenüber standen, wie es auch heute die meisten Menschen tun, wenn die 23-Jährige von ihrem Hobby spricht. "Meine Mutter war Sportlehrerin - und Kunstturnerin", erzählt Birthe Schmidt. "Das war für sie schon ein Schock". Mit ihren sportlichen Erfolgen stieg aber die elterliche Akzeptanz für den Sport.
"Ich hätte nicht mit Kickboxen angefangen, wenn es hier ums Prügeln gehen würde", stellt die 23-Jährige klar: "Wer sich einmal einen Kampf anschaut weiß, dass es ein fairer Sport ist, den man sehr konzentriert betreiben muss." Auch sei Kickboxen "alles andere als ungesund": Man mache viele Dehnübungen, verbessere seinen Gleichgewichtssinn und lerne, die eigenen Aggressionen besser zu beherrschen. "Wenn man mit einer gewissen Disziplin an die Sache rangeht und täglich trainiert, dann zeichnen sich auch bald die ersten Erfolge ab", berichtet Schmidt aus eigener Erfahrung.
Der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere als Amateur-Kickboxerin war die Weltmeisterschaft der "WUMA" (World Union of Martial Arts) - einem der drei größten Kickbox-Weltverbände -, als sie sich den Titel der Vizeweltmeisterin im "Point-Fighting" holte (und immer noch hält). Ende August tritt die 23-Jährige bei der Weltmeisterschaft der IAKSA (auch einer der drei größten Kickbox-Weltverbände) als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft im "Point-Fighting" an. "Das bedeutet, dass man wie auch beim Karate oder Fechten, nach einem Treffer wieder in die Ausgangsposition zurück gehen, also vom Gegner ablassen muss", erklärt die studierte Betriebswirtin, die sich unter anderem mit Radfahren konditionell auf die WM vorbereitet. Trotz guter Kondition könnte die Teilnahme aber noch in Gefahr geraten - denn wer Kickboxen will, muss topfit sein. Also muss bis in zweieinhalb Wochen auch die Entzündung an Birthe Schmidts Fuß komplett abgeklungen sein.
Dass die Kurdirektorin auch Kickboxerin ist, scheint die Gemeindeverwaltung nicht sonderlich zu stören - denn in ihren Bewerbungsunterlagen hat die 23-Jährige keinen Hehl aus ihrem Hobby gemacht. Dass diese exotische Sportart im idyllischen Todtmoos trotzdem für Gerede gesorgt hat, stört die junge Frau ganz und gar nicht: "Sprüche wie 'Sie wissen ja, wie man sich durchboxt' sind derart abgedroschen, dass sie mich nicht mehr interessieren." Dass sich ihr Job und ihr Hobby gut miteinander vereinbaren lassen, daran lässt Birthe Schmidt keinen Zweifel aufkommen: "Klar: Der Sport muss hinter der Arbeit zurückstehen - deshalb trainiere ich jetzt statt fünfmal eben nur noch zweimal pro Woche." Aufgeben würde sie den Sport für den Job nicht: "Wer Sport treibt ist schließlich auch im Beruf leistungsfähiger."
INFO-BOX: Kickboxing-WM
Kickboxen ist eine Mischung aus mehreren fernöstlichen Kampfsportarten wie Karate, Taekwondo und Kung-Fu. Als Wettkampfsportart gibt es Kickboxen seit Mitte der 70er Jahre, damals noch "Sportkarate" genannt. Mittlerweile gibt es im Kickboxen drei verschiedene Disziplinen: Vollkontakt, Leichtkontakt und Semikontakt (auch "Point-Fighting" genannt). Die drei Disziplinen unterscheiden sich dadurch, welche Schläge und Tritte erlaubt sind - und ob man seinen Gegner auch K.o. boxen darf. Kickboxen gehört zur Gruppe der Selbstverteidigungssportarten. Wie beim gewöhnlichen Boxen gibt es auch beim Kickboxen mehrere Weltverbände, die jeweils eigene Weltmeisterschaften durchführen. Birthe Schmidt tritt bei der Weltmeisterschaft der IAKSA (International Amateur Kickboxing Sport Association) vom 24. bis zum 30. August in Orlando (Florida) als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft an. ds