Türöffner fürs Eheglück

Frankfurt/Main (ddp-hes). An Felix Tschurin kommt in Frankfurt kein Brautpaar vorbei. Der 61-Jährige steht bei jedem Wetter im weißen Jackett und mit weißer Schirmmütze vor dem Römer und empfängt die Heiratswilligen. Tschurin ist Hochzeitspförtner - und damit ein deutschlandweites Unikat. Sein Aufgabe ist es, die Hochzeitsgesellschaften durch ein eigenes Portal ins Rathaus und über eine lange Treppe bis zum Trausaal zu führen. Quasi nebenbei erledigt Tschurin auch noch den Job eines Türstehers. Durch seine Hochzeitstür darf nämlich niemand einfach so hindurch.

Seit 1990 ist Tschurin schon der Mann mit der Schirmmütze. In wie vielen asiatischen Fotoalben er mittlerweile abgebildet ist, vermag er nicht einmal zu schätzen. Es vergehe eigentlich kein Tag, an dem er nicht mit Gästen aus aller Welt vor der riesigen goldbeschlagenen Tür für ein Foto posiere, sagt Tschurin. Was anderen wohl eher ein Graus wäre, macht für den 61-Jährigen den Job gerade reizvoll: "Ich bin kein Büromensch." Vor seinem Antritt als Hochzeitspförtner war er im Innendienst des Rathauses tätig. "Ich wollte nicht am Computer versauern", erzählt er. Deshalb habe er sich um den Job beworben.

Neben großem Stehvermögen - denn Tschurin steht und läuft an einem normalen Heiratstag bis zu sechs Stunden - braucht man für seinen Job eine gehörige Portion Gelassenheit. "Das Brautpaar und deren Gäste sind natürlich oft ziemlich aufgeregt", berichtet der Hochzeitsroutinier. Der Leiter des Frankfurter Standesamtes, Peter Dommermuth, baut da ganz auf die Fähigkeiten seines Pförtners: "Für die Brautleute hat er immer ein beruhigendes Wort parat." Es komme auch schon mal vor, dass der Bräutigam auf seine Braut warten muss, weil sie etwa im Stau steckt. Auch dann helfe Tschurins Erfahrung.

Ist das Standesamt an einem normalen Tag ausgebucht, werden dort im Schnitt elf Paare getraut. "Dann sind eigentlich immer zwei bis drei Hochzeitsgesellschaften zeitgleich hier", erklärt Dommermuth. Tschurin sorgt dann dafür, dass unter den verschiedenen Gästen kein heilloses Durcheinander entsteht. Trotz aller Freundlichkeit muss der Hochzeitspförtner auch darauf achten, dass der straffe Zeitplan des Standesamtes nicht durcheinandergerät. Etwa eine halbe Stunde ist für eine Trauung angesetzt, viel Spielraum gibt es also nicht.

Bis zu 2000 Brautpaare führt Tschurin Jahr für Jahr die Treppe mit dem dunkelroten Teppich hinauf - mehrere zehntausende Paare hat er so schon kurz vor dem für viele wichtigsten Augenblick in ihrem Leben begleitet. Er könnte eine Menge erzählen, denn bei kaum einer Hochzeit läuft alles glatt. Doch das ist nicht die Art von Felix Tschurin. Pannen und Peinlichkeiten hat er sicherlich genügend gesehen - doch er behält sie für sich. Hochzeitspförtner ist für ihn nicht nur irgendein Beruf, er ist Berufung. Er achtet zum Beispiel peinlichst genau darauf, nicht zuzunehmen. "Sonst passt mir meine Uniform nicht mehr", sagt Tschurin. Da hungere er lieber mal.

Auch etliche Prominente hat Tschurin schon zum Trausaal geführt, an die meisten erinnert er sich nicht mehr. Vor dem Standesbeamten sind schließlich alle gleich aufgeregt - egal ob nun Fernsehstar, Sportler oder Max Mütze. Nur einen hat er nicht vergessen: Fußballer Andreas "Andy" Möller hat seiner Frau im Römer das Jawort gegeben. Zuvor hat Tschurin die beiden samt Gesellschaft die 32 Stufen nach oben begleitet. Er selbst ist allerdings trotz seiner Arbeit als Hochzeitspförtner all die Jahre unverheiratet geblieben. "Es hat sich nicht ergeben", sagt der 61-Jährige, "zumindest bis jetzt".